Fragen Sie sich manchmal, ob Sie den Alltag Ihres Angehörigen mit Demenz kompetent und für ihn möglichst selbstständig und in einer entspannten Atmosphäre gestalten? Die Aktivierung eines Menschen mit Demenz ist bis in die letzten Lebensphasen möglich und wünschenswert. Jedoch setzt eine erfolgreiche Aktivierung voraus, dass Ihr Angehöriger von Ihnen nicht überfordert und bevormundet wird. Korrekturen, z. B. wenn Ihr Angehöriger mit den Fingern statt mit Messer und Gabel isst, sollten Sie – trotz aller krankheitsbedingten Einschränkungen – nach Möglichkeit vermeiden. Dabei ist Vertrautheit das Wichtigste in der Betreuung.
Alle wichtigen Informationen zum Thema Aktivierung bei Demenz finden Sie in "Leben lernen mit Demenz" .
Sie erfüllen mehr Voraussetzungen, als Sie denken
Vertrautheit ist der Ausgangspunkt und die Grundvoraussetzung für eine gute Betreuung eines an Demenz Erkranken. Doch was macht Vertrautheit aus? Dazu gehört, dass Sie
- die Lebensgewohnheiten und Vorlieben Ihres Angehörigen gut kennen und in den Alltag integrieren,
- therapeutische Grundlagen kennen und
- einen guten zwischenmenschlichen Kontakt zu Ihrem Angehörigen herstellen können.
Das hört sich im ersten Moment für Sie wahrscheinlich furchtbar schwierig an. Doch ich bin mir sicher, dass Sie diese Voraussetzungen bereits erfüllen. Wichtig ist, dass Sie sich diese hohen Kompetenzen, über die Sie verfügen, auch einmal bewusst machen.
Therapeutische Grundlage für eine erfolgreiche Aktivierung
Sie achten auf eine angemessene Unterstützung Ihres Angehörigen mit Demenz bei der Verrichtung alltäglicher Dinge. Und Sie helfen ihm durch die Anleitung von Aktivitäten oder mit Beschäftigungsangeboten, Dinge auch selbst zu tun.
Therapeutische Grundlage Ihres oben beschriebenen Verhaltens ist eine Pflege die eine Aktivierung beinhaltet. Das heißt, Sie geben Ihrem Angehörigen nur so viel Hilfe wie nötig und übernehmen keine Tätigkeiten, die er selbst noch durchführen kann. Damit erhalten Sie ihm so viel Eigenständigkeit wie möglich. Damit legen Sie – vielleicht aus dem Bauch heraus – ein professionelles Verhalten an den Tag. Mit dieser Pflege der Aktivierung können Sie folgende positive Effekte erreichen. Sie
- fördern und erhalten die Fähigkeiten Ihres Angehörigen. Damit stärken Sie sein Selbstwertgefühl. Das wiederum erhöht die Lebensqualität und Lebensfreude Ihres Angehörigen, der den Verlust seiner Kompetenzen oft noch bemerkt.
- vermitteln ihm Sicherheit und Geborgenheit und geben ihm das Gefühl, nützlich zu sein und noch gebraucht zu werden.
- vermeiden Langeweile und Rastlosigkeit bei Ihrem Angehörigen.
- können die zeitliche, personelle und situative Desorientiertung Ihres Angehörigen durch eine geregelte Tagesstruktur mindern.
- helfen ihm, Apathie, Antriebslosigkeit und Depressionen durch eine bewusste Alltagsgestaltung abzubauen. Damit reduzieren Sie Unruhe, Angst und Aggressionen.
Hinweis: Bei Aktivitäten mit Ihrem Angehörigen ist es wichtig, dass auch Sie selber Lust darauf haben. Ihr Angehöriger hat trotz seiner Demenz ein sicheres Gespür dafür, ob Sie etwas lustlos anbieten oder ob hinter dem Angebot ein echtes Interesse an der gemeinsamen Sache steht.
Warum ein aktiver Alltag trotz Demenz wichtig ist
Frau Müller hatte das Problem, dass ihre an Demenz erkrankte Mutter tagsüber immer wieder einschlief und nachts dann sehr unruhig sei. Der Arzt verordnete der Mutter ein beruhigendes Medikament zur Nacht, das aber gar nicht half. Nachts war die Mutter weiterhin unruhig. Dafür schlief sie jetzt tagsüber viel mehr als vorher. Mit dem Fortschreiten der Demenz verliert ein Mensch mit Demenz immer mehr seine Eigenaktivität. So war es auch bei der Mutter von Frau Müler. Sie saß tagsüber im Wohnzimmer vor dem Fernseher, was sie früher auch sehr liebte. Heute bot ihr das Fernsehen aber zu wenig Anreize, wach zu bleiben. Dadurch schlief sie tagsüber immer wieder ein. Und nachts, wenn es still und dunkel war, wurde sie ängstlich. Sie fühlte sich allein und verloren. Sie verließ – sowieso ausgeschlafen – ihr Bett und suchte ihre Tochter. Wir erstellten eine „Beschäftigungsstrategie“: Die Tochter beteiligte ihre Mutter an der Hausarbeit. Bügelte sie, gab sie ihrer Mutter Handtücher zum Zusammenlegen. Spülte sie, sortierte ihre Mutter das Besteck. Die Mutter blieb durch diese Aktivitäten wach. Die nächtlichen „Streifzüge“ durch die Wohnung ließen nach.
Klicken Sie hier für weitere Informationen zur Aktivierung bei Demenz finden Sie in "Demenz: Pflege und Betreuung zuhause" .
So gestalten Sie Aktivitäten mit Ihrem Angehörigen
Natürlich ist es nicht immer leicht für Sie, für Ihren Angehörigen mit Demenz Aktivitäten zu finden, die Ihnen beiden gefallen. Zudem verlangt seine Erkrankung von Ihnen, dass Sie auch weitere Faktoren als nur die „Lust, etwas zu tun“, berücksichtigen müssen. Denn eine erfolgreiche Gestaltung hängt wesentlich von den Fähigkeiten Ihres Angehörigen ab. Was Sie dabei berücksichtigen sollten,finden Sie hier in der Checkliste zusammengefasst.
Checkliste zur Aktivierung: So gelingen gemeinsame Aktivitäten
Wählen Sie Aktivitäten aus, die noch im Langzeitgedächtnis Ihres Angehörigen erhalten sind. Das sind Beschäftigungen, die er früher regelmäßig, z. B. als Hobby oder im Beruf, ausgeübt hat. Damit können Sie am besten die noch vorhandenen Fähigkeiten nutzen. | 
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Orientieren Sie sich an den alten Gewohnheiten, z. B. wenn Ihr Angehöriger früher direkt nach dem Essen gespült hat oder beim Fernsehen strickte. So sprechen Sie die Persönlichkeit Ihres Angehörigen am besten an. | 
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Wenn die gewohnten oder geliebten Tätigkeiten Ihrem Angehörigen nicht mehr gelingen, können Sie nach vereinfachten oder neuen Tätigkeiten suchen, die er ohne Versagenserlebnisse ausführen kann, z. B. Wolle aufwickeln statt stricken. | 
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Wenn Sie Aktivitäten für oder mit Ihrem Angehörigen auswählen, sollten Sie das Stadium seiner Demenz berücksichtigen. Bei einer leichten bis mittelschweren Demenz können Sie vielleicht noch gemeinsam an Gruppenaktivitäten wie z. B. Sport- oder Wandergruppen teilnehmen. | 
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Im fortgeschrittenen Stadium der Demenz sollten Sie möglichst sprachunabhängige Aktivitäten wählen. Damit vermeiden Sie eine Überforderung. Die Aktivierung können Sie dann über die sinnliche Wahrnehmung gestalten, z. B. das Riechen, Schmecken oder Fühlen. | 
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Achten Sie bei allen Beschäftigungen darauf, dass Gefährdungen für Ihren Angehörigen ausgeschlossen sind, z. B. Verletzungen mit elektrischen Werkzeugen beim Heimwerken. | 
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Stellen Sie bei den Aktivitäten keine großen Ansprüche an die Konzentration Ihres Angehörigen. Für ihn sind Wiederholungen sinnvoll und sogar angenehm. | 
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Achten Sie auch auf die jeweilige Tagesform Ihres Angehörigen. Hier gilt: Was heute nicht geht, geht unter Umständen das nächste Mal. | 
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Berücksichtigen Sie bei Ihrer Auswahl auch Hör- und Sehbehinderungen oder andere körperliche Erkrankungen, die unabhängig von der Demenz bestehen. | 
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Aktivierung mit Aktivitäten aus dem Alltag
Erfahrungsgemäß sind die sinnvollsten Aktivitäten diejenigen, die Ihr Angehöriger aus seinem Alltag kennt. Greifen Sie also ruhig Tätigkeiten auf, die Ihr Angehöriger gerade angefangen hat.
Das bietet Ihnen die Möglichkeit, die aktuellen Vorlieben und auch Fähigkeiten Ihres Angehörigen mit Demenz zu erkennen, entsprechend zu fördern und zu unterstützen. Versuchen Sie, ihn so viel wie möglich selbst tun zu lassen.
Zerlegen Sie alltägliche Verrichtungen, wie z. B. Körperpflege, den Tisch decken oder Ankleiden in kleine Teilschritte, die Ihr Angehöriger trotz Demenz noch selbst bewältigt. Das kostet zwar Zeit, aber Sie sind dadurch viel weniger gefordert, nach einer „künstlichen“ Aktivierung zu suchen.
Ihre persönliche Definition von „sinnvoller“ Tätigkeit sollten Sie übrigens im Umgang mit Ihrem Angehörigen in den Hintergrund stellen. Für ihn kann es durchaus befriedigend sein, Schubladen ein- und auszuräumen, Papier zu sortieren oder Stofffetzen zu bügeln. Solange er damit niemanden stört oder gefährdet, brauchen Sie diese Handlungen auch nicht zu unterbinden.
Aktivierung gelingt durch Gewohnheiten besonders gut
Im Grunde gibt es für Menschen mit Demenz vielfältige Möglichkeiten, aktiv zu sein. Da sind zum einen die Aktivitäten des täglichen Lebens wie z. B.
- Tisch decken,
- Kochen,
- Körperpflege durchführen,
- Putzen.
Hinweis: Optimal ist es, wenn Sie selber Spaß an den Aktivitäten haben und diese Freude an Ihren Angehörigen weitergeben können.
Zum anderen können Sie auch in fast allen Lebensbereichen Möglichkeiten zur Aktivierung finden. Hier ist natürlich wieder wichtig, wie Ihr Angehöriger seine Zeit verbracht hat, als er noch gesund war. Einige Möglichkeiten finden Sie hier in der Übersicht zusammengestellt.
Übersicht zur Aktivierung: Tagesgestaltung für Menschen mit Demenz
Gartenarbeit, Umgang mit Haustieren, Handarbeiten und handwerkliche Tätigkeiten jeglicher Art können Betätigungsfelder für Demenzkranke sein. |
Bei anderen stehen Kunst, Musik, der Umgang mit Büchern oder Bewegung im Vordergrund, je nach Interessenlage des Erkrankten. |
Auch Gespräche über die Vergangenheit oder kleine Spiele können sinnvolle Aktivitäten sein. |
Gemeinsame Ausflüge in die Umgebung, Spaziergänge, kleine Einkäufe fördern das Freiheitsgefühl und kommen dem Bewegungsdrang entgegen. Zudem können Sie dies in der Regel ohne besonderen Aufwand durchführen. Ein weiterer Effekt ist der, dass durch solche gemeinsamen Aktivitäten bei Ihrem Angehörigen ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und Sicherheit entsteht |
Fazit: Bei der Aktivierung Ihres Angehörigen mit Demenz können Sie immer wieder verschiedene Sachen ausprobieren, um die für ihn aktuell besten individuellen Möglichkeiten zu finden. Gemeinsame Ausflüge in die Umgebung, Spaziergänge, kleine Einkäufe fördern das Freiheitsgefühl und kommen dem Bewegungsdrang entgegen. Zudem können Sie dies in der Regel ohne besonderen Aufwand durchführen. Ein weiterer Effekt ist der, dass durch solche gemeinsamen Aktivitäten bei Ihrem Angehörigen ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und Sicherheit entsteht.
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