Ein großes Problem bei der Pflege Ihres Angehörigen mit Demenz kann sein, dass im Verlauf der Krankheit der Kontakt zwischen Ihnen immer schwieriger wird. Ihr Angehöriger kann immer weniger Informationen wahrnehmen und speichern.
Mehr Informationen zum Thema Kontakt halten bei Demenz finden Sie in "Leben lernen mit Demenz" .
Durch die Demenz lebt Ihr Angehöriger in einer anderen Gefühlswelt
Durch Erinnerungsstörungen kann Ihr an Demenz erkrankter Angehöriger nicht auf seine früheren Erfahrungen und Erlebnisse zurückgreifen, um sich mit deren Hilfe in der jetzigen Situation zurechtzufinden. Durch die Demenz hat er Erfahrungen und Erlebnisse verloren. Dadurch erscheinen immer mehr Situationen für ihn nicht beherrschbar. Das damit verbundene Gefühl der Hilflosigkeit löst bei Ihrem Angehörigen mit Demenz wahrscheinlich starke Emotionen aus. Er hat aber nicht mehr die Fähigkeit, sich mit diesen Emotionen auseinanderzusetzen.
Versetzen Sie sich in die Welt Ihres Angehörigen
Wenn Sie versuchen, sich in die Gefühlswelt Ihres Angehörigen hineinzuversetzen, fällt Ihnen der Kontakt mit ihm wieder leichter. Beziehen Sie seine Reaktionen nicht in erster Linie auf sich. Überdenken Sie die Situation. Vor allem anderen braucht Ihr an Demenz erkrankter Angehöriger jetzt das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Empfindet er dieses Gefühl nicht, wird er Ihre Hilfe ablehnen, und ein guter Kontakt zu ihm ist kaum möglich. Eine entspannte Haltung, in der Sie Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen und viel Geduld und Zeit mitbringen, ist Grundvoraussetzung für Ihre harmonische Beziehung trotz Demenz. Das Einfühlen kann Ihnen mit den folgenden 10 Tipps gelingen.
Übersicht: 10 Tipps, wie Sie den Kontakt aufrechterhalten
1. Seien Sie liebevoll in Ihrer Zuwendung.
Blick- und Körperkontakt von Ihnen sind für Ihren Angehörigen eine wichtige liebevolle Zuwendung, die er benötigt. Dazu gehören auch eine respektvolle, wertschätzende Behandlung und ihn ernst zu nehmen. Wahrscheinlich zeigt Ihr Angehöriger auch ein starkes instinktives Bindungsverhalten und sucht bei Ihnen Nähe und Geborgenheit.
2. Gehen Sie auf die Gefühlsäußerungen und Befindlichkeiten Ihres Angehörigen ein.
Machen Sie sich in schwierigen Situationen bewusst, dass die geistigen Einbußen Ihres an Demenz erkrankten Angehörigen, seine Persönlichkeitsveränderungen, Veränderungen seiner Moral und Hygiene krankheitsbedingt sind. Sie sind nie Schikanen des Erkrankten. Ihr Angehöriger vergisst durch seine Krankheit soziale Fertigkeiten und Verhaltensregeln.
3. Lassen Sie Ihren Angehörigen in seiner Welt.
Eine unnötige Diskussion über ein Richtig oder Falsch von Aussagen oder Gesprächen führt nur zu weiterer Verwirrtheit. Nehmen Sie keine Korrektur der inneren Realität Ihres Angehörigen vor. Vermeiden Sie zudem Belehrungen und Kritik und sprechen Sie nicht in seinem Beisein mit anderen über ihn.
4. Veränderungen verwirren Ihren Angehörigen.
Geben Sie ihm Orientierungshilfen für eine gleichbleibende Ordnung und Strukturierung von Raum und Zeit. Vermeiden Sie Reizüberflutungen, z. B. ständige Fernseh- oder Radioberieselung, und überfordernde Situationen, z. B. Menschenmengen oder laute Musik und Unruhe. Wenn Sie dies beachten, vermitteln Sie Ihrem Angehörigen trotz Demenz ein zusätzliches Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit.
5. Suchen Sie die vorhandenen Fähigkeiten.
Situationen, die Ihren Angehörigen schnell an seine Leistungsgrenzen führen, sollten Sie immer vermeiden. Die Folgen wären erhöhte Versagensgefühle und Scham über die Situation, eventuell auch Aggressionen Ihnen gegenüber. Versuchen Sie, nicht nur auf die Defizite zu schauen. Schärfen Sie Ihren Blick für die noch vorhandenen Fähigkeiten, z. B. wenn er gerne singt oder noch rechnet.
6. Gehen Sie auf Ihren Angehörigen ein und hören Sie zu.
Fördern Sie seine Selbstständigkeit so stark und so lange wie möglich. Knüpfen Sie bei Gesprächen und Aktivitäten an Altbekanntem an. Denken Sie bei gemeinsamen Aktivitäten daran, dass durch die Demenz die Konzentrationsfähigkeit nachlässt (häufig nur ca. 10 – 15 Min.). Passen Sie Ihre Erwartungen und Anforderungen an seine jeweilige Tagesform an. Was heute nicht geht, hat vielleicht gestern geklappt und funktioniert unter Umständen morgen wieder.
7. Ihr Angehöriger begreift und handelt in seinem eigenen Tempo.
Geben Sie Ihrem Angehörigen geduldig die notwendige Zeit zum Verstehen und Ausführen von Tätigkeiten. Wenn Sie ihm Informationen geben, tun Sie dies immer ruhig und geduldig. Sprechen Sie mehrere Sinne an, indem Sie z. B. in die Richtung zeigen, in die Ihr Angehöriger gehen soll. Unterstützen Sie Ihre sprachlichen Äußerungen möglichst mit Gegenständen, die die Information sozusagen „begreiflich“ machen: z. B. geben Sie ihm zusammen mit der Aufforderung, das Gesicht zu waschen, den Waschlappen in die Hand. Machen Sie eventuell noch eine wischende Bewegung mit der Hand über Ihr Gesicht.
8. Vermitteln Sie Ihrem Angehörigen das Gefühl von Wertschätzung.
Lächeln Sie Ihren Angehörigen an. Lächeln ist positiv besetzt und schafft eine gute Atmosphäre. Loben Sie ihn, wann immer es möglich ist. Denn jeder Mensch fühlt sich bei Lob angenommen, respektiert und wertgeschätzt.
9. Setzen Sie Grenzen.
Wenn Sie das Verhalten und / oder manche Handlung Ihres Angehörigen überfordert oder dieses Verhalten eine Selbstgefährdung bzw. Belästigung beinhaltet, setzen Sie ohne schlechtes Gewissen Grenzen. Menschen mit Demenz überschätzen sich oft erheblich oder neigen zur Distanzlosigkeit.
10. Reden Sie mit Ihrem Angehörigen so, dass er Sie versteht.
Bei Gesprächen mit Ihrem Angehörigen sollten Sie kurze Sätze mit nur einer inhaltlichen Aussage formulieren. Stellen Sie keine Fragen mit mehr als 2 Alternativen („oder“). Besser sind offene Fragen oder Fragen, auf die er mit Ja oder Nein antworten kann. Führen Sie Gespräche auf Augenhöhe mit Ihrem Angehörigen, also stehen Sie nicht, wenn er sitzt. Wählen Sie immer eine ruhige, freundliche Ansprache. Wichtig ist, dass Ihre Mimik und Gestik übereinstimmen. Einfacher gesagt: Ihr Gesicht sollte zu dem passen, was Sie gerade sagen. Häufige Wiederholungen sind für Ihren Angehörigen nicht störend, sondern hilfreich und angenehm.
Lesen Sie in "Leben lernen mit Demenz" mehr dazu, wie Sie bei Demenz Kontakt halten.
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