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Was Sie über Schmerzmittel bei Demenz wissen sollten

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© bogo-service - Fotolia.com

Heute muss niemand mehr unter starken Schmerzen leiden, denn es gibt eine breite Palette an Schmerzmitteln. Doch Sie sollten Schmerzmittel nur wohl überlegt einsetzen. Besonders gefährlich sind vor allem die freiverkäuflichen Schmerzmittel aus der Apotheke. Auch wenn Sie diese gelegentlich selbst einnehmen, sollten Sie sie Ihrem Angehörigen mit Demenz nicht ohne Rücksprache mit dem Hausarzt verabreichen. Und auch dann ist es wichtig, dass Sie wissen, auf welche Nebenwirkungen Sie achten müssen.

Mehr Informationen zum Thema "Demenz und Schmerzmittel" finden Sie in "Leben lernen mit Demenz" .

Hinweis: Wenn Sie Schmerzmittel ohne ärztliche Verordnung anwenden, sollten Sie dies nie länger als 3 bis 4 Tage hintereinander tun. Sind die Schmerzen bis dahin nicht abgeklungen, sollten Sie von einem Arzt die Ursache abklären lassen.

Schmerzmittelnebenwirkungen können tödlich sein

Schmerzen haben eine unterschiedliche Intensität. Deshalb hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein Stufenschema entwickelt. Je nach der Stärke der Schmerzen empfiehlt die WHO unterschiedliche Wirkstoffe.

WHO-Stufenschema der Schmerztherapie

  • nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)
  • Metamizol
  • Cox-2-Hemmer (Celecoxib)
  • ASS (Acetylsalicylsäure)
  • Paracetamol
  • Tramadol
  • Dihydrocodein
  • Codein
  • Tilidin
  • Fentanyl
  • Morphin
  • Buprnorphin

Stufe 1:
Nicht-Opiate
leichte Schmerzen

Stufe 2:
schwache Opiate
mittelstarke Schmerzen

Stufe 3:
starke Opiate
starke Schmerzen

Bei leichteren Schmerzen genügen zumeist Nicht-Opiate, wie z. B. ASS (Acetylsalicylsäuere, z. B. Aspirin), Paracetamol und die so genannten nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR), z. B. Ibuprofen oder Diclofenac.

Die Wirkstoffe NSAR und ASS hemmen die Bildung von Prostaglandinen. Das sind Gewebshormone, die Schmerzen und Entzündungen aufrecht erhalten. Diese Hormone unterstützen auf der anderen Seite die Bildung der Schleimschicht im Magen-Darm-Bereich. Damit schützen sie den Magen vor der aggressiven Magensäure.

Bei längerfristiger Einnahme der Schmerzmittel NSAR oder ASS kann es zu einem Abbau der Schutzschicht und deshalb zu Magenschleimhautreizungen bis hin zu gefährlichen Magen-Darm-Geschwüren kommen. Davon sind etwa 10 % der Patienten betroffen. Es sterben in Deutschland jährlich 20.000 Schmerzpatienten an den Folgen solcher Geschwüre. Zumeist aufgrund innerer Blutungen oder eines Magendurchbruchs.

Hinweis: Bei einer mehrtägigen Einnahme von Ass erhöht sich die Blutungsneigung im ganzen Körper. Das bedeutet eine Wunde blutet länger und stärker. Achten Sie darauf vor allem im Zusammenhang mit Zahnarztbesuchen oder geplanten Operationen. Ja nachdem muss eine Behandlung dann verschoben werden.

Die gefährlichsten Nebenwirkungen von NSAR und ASS sind:

  • Übelkeit, Magenschmerzen
  • Magen- und Darmgeschwüre
  • Nierenschäden
  • Asthma-Anfälle
  • Bluthochdruck
  • Allergische Reaktionen.

Achten Sie auf Veränderungen des Stuhls

Wenn Ihr an Demenz erkrankter Angehöriger eines dieser Schmerzmittel verordnet bekommen hat und dieses Mittel über einen längeren Zeitraum einnehmen soll, sollten Sie auf eine gleichzeitige Gabe von den Magen schützenden Medikamenten achten. Sollte sich jedoch die Farbe des Stuhlgangs in schwärzlich verfärben (Teerstuhl), ist dies ein Anzeichen für Blutungen im Magen-Darm-Trakt. Konsultieren Sie dann umgehend den Hausarzt. 
Paracetamol ist weniger gefährlich für den Magen-Darm-Bereich, als NSAR und ASS. Allerdings kann Paracetamol schon bei leichter Überdosierung zu schweren Leberschäden führen. Deshalb sind Packungen ab 10 g Gesamtinhalt verschreibungspflichtig. 

Wenn Ihr an Demenz erkrankter Angehöriger mehr als 1,5 g Paracetamol täglich benötigt, sollten Sie mit seinem Arzt reden. Fragen Sie ihn, ob Sie zu einem anderen Wirkstoff wechseln können. 

Cox-2-Hemmer kamen Ende der 90er Jahre auf den Markt. Außer Celebrex® und ARCOXIA® wurden diese Mittel inzwischen wieder vom Markt genommen. Sie schädigen die Blutgefäße und können Herzinfarkte bzw. Schlaganfälle auslösen. Diese Mittel sind deshalb für einen Erkrankten mit vasculärer Demenz völlig ungeeignet. Ibuprofen und Naproxen sind für Herz und Gefäße verträglicher. 

Es kann sein, dass die Schmerzen Ihres Angehörigen mit Demenz mit den vorgenannten Wirkstoffen nicht besser werden. Eventuell kann dann ein schwach wirkendes Opiat der Stufe 2, z. B. Tramal, für ihn besser sein. Allerdings werden Opiate zumeist nur zögerlich verordnet.

Tipp: Sollten Sie mit dem Hausarzt keine zufriedenstellende Schmerztherapie erreichen, ist der Besuch einer Schmerzambulanz sinnvoll. Hier finden Sie auf Schmerztherapie spezialisierte Ärzte. Sie können oft durch eine gezielt ausgetestete Kombination niedrig dosierter Schmerzmittel eine Schmerzfreiheit erzielen.

Ignorieren Sie Schmerz niemals

Oft haben an Demenz Erkrankte neben ihrer Demenz weitere körperliche Erkrankungen. Diese können ihnen wiederum Schmerzen bereiten. Aber nicht immer sind an Demenz Erkrankte in der Lage zu sagen, dass sie Schmerzen haben. 

Grundsätzlich gilt auch für Ihren an Demenz erkrankten Angehörigen, dass er akuten Schmerz auf keinen Fall ignorieren oder erdulden sollte. Dies birgt die Gefahr, dass die Schmerzen chronisch werden. Und dann wird er sie gar nicht mehr los. Denn bei chronischen Schmerzen können Medikamente allein nur wenig ausrichten. Der chronische Schmerz erfasst nämlich den ganzen Menschen: seinen Körper, seinen Geist und seine Seele. Chronischer Schmerz erfordert deshalb eine ganzheitliche Behandlung, in die auch nichtmedikamentöse Verfahren, z. B. Psychotherapie oder Akupunktur, einbezogen werden müssen.

Reichen die Schmerzwirkstoffe der Stufe 1 nach dem WHO-Stufenschema zur Behandlung des Schmerzes nicht aus, sollte laut WHO auf ein Opiat gewechselt werden. Diese Medikamente wirken auf einer anderen Ebene. Sie dämpfen die Schmerzempfindung im Gehirn und Rückenmark. Opiate können als Tabletten, Tropfen, Pflaster oder über spezielle Schmerzmittelpumpen verabreicht werden. 

Bei diesen Schmerzursachen können Opiate sinnvoll sein

Bei den folgenden Krankheitsbildern kann der Einsatz von Opiaten sinnvoll sein:

  • Arthritis und Arthrose
  • Wirbelbrüche, z. B. bei Osteoporose
  • Rückenschmerzen
  • Schwere Durchblutungsstörungen mit Polyneuropathien
  • Krebsschmerzen
  • Multiple Sklerose.

Bei eher anfallsartigen Schmerzformen, wie z. B: Kopfschmerzen und Migräne oder Nervenschmerzen sollten Opiate nicht angewendet werden.
Die Angst vor einer möglichen Sucht durch Opiate ist zumeist unbegründet. Denn die heute üblichen Medikamente haben eine verzögerte Wirkstofffreisetzung (Retardwirkung). Das verringert auch die Suchtgefahr. 
Die häufigsten Nebenwirkungen von Opiaten sind:

  • Verstopfung
  • Müdigkeit
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Atembeschwerden
  • Schwindel.

In der Regel wird die Dosis langsam gesteigert, damit der Körper sich an den Wirkstoff gewöhnen kann. Deshalb gehen bis auf die Verstopfung die Nebenwirkungen nach einigen Tagen deutlich zurück. 
In der Übersicht finden Sie die in diesem Artikel behandelten Schmerzmittel, ihre Einsatzgebiete und Wirkweise, sowie den wichtigsten Nebenwirkungen zusammen gestellt.

Übersicht: Wichtige nicht-opiathaltige Schmerzmittel

Cox-2-Hemmer

NSAR

ASS

Paracetamol

gängige Präparate (Beispiel)

Celebrex®, ARCOXIA®

Diclofenac®, Dolormin®

Aspirin ®, ASS

Captin®, Paracetamol

Risiko für Magengeschwüre

mittelhoch

hoch

sehr hoch

nein

Risiko für Herzinfarkte

hoch

leicht erhöht

nein

nein

Andere Nebenwirkungen

Nierenschäden

Nierenschäden, Tinnitus

Nierenschäden, Allergien, innere Blutungen

Leber- und Nierenschäden

Entzündungshemmend

ja

ja

ja

nein

Rezeptpflicht

ja

ja

nein

ja, ab 10 g pro Packung

Einsatzgebiete

Gelenkschmerzen, nur bei Personen mit gesundem Herz

Gelenkschmerzen, Monats-, Kopf- und Zahnschmerzen, Entzündungen

Gelegentliche Einnahme, z. B. bei Kopf- und Gliederschmerzen, Entzündungen

grippale Infekte, Zahn- und Kopfschmerzen, Arthrose



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