Manchmal ist es schockierend, wie schnell Ärzte mit der Diagnose „senile Demenz“ bei der Hand sind. Oft erfolgen dazu keine diagnostischen Untersuchungen. Denn vielfach werden Symptome wie z. B. erhöhte Vergesslichkeit, zeitliche Desorientierung oder ungeduldiges, tendenziell aggressives Verhalten bei alten Patienten unter dem Begriff „Demenz“ zusammengefasst. Dabei haben die Ärzte mittlerweile gute Möglichkeiten, eine Demenz genau zu diagnostizieren.
Die differenzierte Diagnose ist für den Patienten wichtig, um z. B. zwischen vaskulärer Demenz und einer Demenz vom Alzheimertyp zu unterscheiden. Denn die unterschiedlichen Demenzformen benötigen auch eine unterschiedliche Behandlung.
Mehr Informationen zum Thema "Demenz und Untersuchungsmöglichkeiten" finden Sie in "Leben lernen mit Demenz" .
Es gibt keinen „ultimativen“ Test
Es ist nicht möglich, eine Demenz mit einem einzelnen Test sicher festzustellen. Eine bestehende Alzheimererkrankung wird z. B. anhand vieler unterschiedlicher Untersuchungen erkannt.
Die Standardmethode der Diagnose umfasst ein abgestuftes Vorgehen. In der Regel geht ein Neurologe wie folgt vor:
- er führt eine sorgfältige Befragung des Betroffenen und der Angehörigen durch,
- dann nimmt er eine körperliche Untersuchung vor und
- führt Tests zur Erfassung des Denkens, Verstehens und der Orientierung durch.
Bei der Befragung sind Sie der Experte
Wenn die Krankengeschichte erhoben wird, hat Ihr Wissen eine große Bedeutung. Denn oft können die Fragen von Ihrem Angehörigen selbst nicht mehr richtig beantwortet werden. In diesem Gespräch stellt der Arzt Fragen über akute körperliche und geistige Veränderungen. Er erkundigt sich, welche Medikamente eingenommen werden und welche Vorerkrankungen bestehen. Wichtig sind auch häufig vorkommende Erkrankungen in der Familie. Der Arzt wird Sie auch nach Ihren Beobachtungen befragen, wie sich Abläufe des täglichen Lebens bei Ihrem Angehörigen gestalten. Nur so kann es zu einer differenzierten Diagnose kommen.
So wird die Leistungsfähigkeit des Gehirns beurteilt
Um Fähigkeiten, wie z. B. Wahrnehmen, Erkennen, Denken, Schlussfolgern und Urteilen bewerten zu können, werden Ihrem Angehörigen Aufgaben gestellt. Er wird dann zu alltäglichen Dingen, z. B. sein Alter, befragt, muss einfache Rechenaufgaben lösen oder seine Geschicklichkeit demonstrieren. Der Arzt kann dadurch herausfinden, ob die Orientierungsfähigkeit, das Gedächtnis oder das praktische Geschick Ihres Angehörigen beeinträchtigt sind. Oft werden dazu der „Mini-Mental-Status-Test“ oder der „Uhren-Test“ eingesetzt.
So funktioniert der Mini-Mental-Status-Test
Mit dem Mini-Mental-Status-Test wird der Schweregrad einer Demenz beurteilt. Der Test wird wie ein Interview durchgeführt. Der Arzt überprüft anhand von 30 Aufgaben zentrale geistige Funktionen Ihres Angehörigen. Geprüft werden mit diesem Test:
- die zeitliche und räumliche Orientierung,
- Merk- und Erinnerungsfähigkeit,
- Aufmerksamkeit,
- Sprache und Sprachverständnis,
- Lesen, Schreiben, Zeichnen und
- Rechnen.
So funktioniert der Uhrentest
Mit dem Uhrentest werden die räumliche Wahrnehmung und die Fähigkeit zur richtigen Umsetzung der Aufgabe durch den Patienten geprüft. Ihr Angehöriger wird dazu aufgefordert, das Zifferblatt einer Uhr mit Zahlen, Stunden- und Minutenzeiger laut einer vorgegebenen Uhrzeit, z. B. 10 Minuten nach 8“, korrekt einzuzeichnen. In der Regel ist der Kreis der Uhr vorgedruckt. Bei manchen Tests muss der Patient aber auch den Kreis zeichnen.
Das passiert bei der körperlichen Untersuchung
Für die körperliche Untersuchung sind zunächst der Ernährungszustand, eventuelle Verletzungen, z. B. durch Stürze, und der Blutdruck sowie Pulsschlag wichtig.
Auch das Nervensystem wird untersucht. Durch eine gründliche neurologische (= das Nervensystem betreffende) Untersuchung sollen Ursachen der Demenz im Bereich des Nervensystems und des Gehirns ausgeschlossen werden. Dazu kann ein Computertomogramm (CT) oder ein Magnetresonanztomogramm (MRT) eingesetzt werden.
Selbst Laboruntersuchungen von Blut- und Urin können Hinweise geben. Es gibt seltene, auch behandelbare Ursachen dementieller Symptome.
Durch eine einfache Blutabnahme können z. B. Überdosierungen von Medikamenten, wie Digitoxin (Digimerck), einem Wirkstoff, der bei Herzschwäche gegeben wird, festgestellt werden. Eine Digitoxinvergiftung kann gerade bei älteren Menschen auftreten. Der Wirkstoff wird nicht mehr so schnell abgebaut wie bei Jüngeren und sammelt sich dann im Körper an. Symptome einer solchen Überdosierung sind z. B. Verwirrtheitszustände und Halluzinationen. Die Behandlung ist denkbar einfach: Durch Absetzen der Tabletten wird der im Körper angesammelte Wirkstoff wieder abgebaut. Die Symptome verschwinden dadurch wieder.
Tipp: Wenn Ihr Angehöriger noch nie von einem Neurologen und / oder Psychiater untersucht wurde, sollten Sie dies nachholen.
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