|
Liessy
Themenersteller
Dabei seit: 02.12.2009
Beiträge: 1
|
Hallo Zusammen,
mein Vater ist im relativ frühen Demenz-Stadium, und wird von meiner Mutter (69 Jahre, topfit) betreut. Meiner Meinung nach (und der meiner beiden Geschwister und vieler anderer Menschen die ihn kennen) sollte mein Vater kein Auto mehr fahren. Meine Mutter ist meint aber er sollte sich seine Selbstständigkeit so lange wie möglich bewahren.
Woran kann man objektiv die Fahruntüchtigkeit erkennen und an wen kann man sich wenden, wenn sich meine Eltern nicht überzeugen lassen? Wir wollen meinem Vater nichts "wegnehmen", sind aber der Meinung, dass er nicht nur für sich selbst sondern vor allem auch für andere Verkehrsteilnehmer ein zu großes Sicherheitsrisiko ist.
Mein Vater nimmt sogar an einer Studie über Demenz teil, leider haben sich bisher sämtliche Ärzte was solche Alltagsfragen angeht als eher unkooperativ erwiesen, ist es nicht deren Pflicht auf solche Sicherheitsrisiken hinzuweisen? Eigentlich sollte doch die Ärzte am Besten wissen, wie schwer es solchen Patienten fällt sich selbst und anderen Ihr eigenes Unvermögen einzugestehen! Auf unser Bitten das Autofahren sein zu lassen reagiert er sehr wütend, selbst wenn ich mit Ihm unterwegs bin, lässt er nur unter Protest zu, dass "seine Kleinste" darauf besteht selbst zu fahren.
Wie gehen andere mit dem Thema um? Hilft es, wenn Außenstehende wie Ärzte ihm das Fahren verbieten oder ist es besser das Auto einfach unter fadenscheinigen Begründungen "verschwinden" zu lassen. Wie überzeuge ich meine Mutter, dass er nicht mehr fahren soll?
|
|
HeikeBohnes
Dabei seit: 23.04.2009
Beiträge: 114
|
Hallo Liessy,
der Wunsch, trotz Demenz weiterhin Auto zu fahren, ist sehr weit verbeitet.
Schon zu Beginn der Demenz sind bei Ihrem Vater das Reaktionsvermögen und die Fähigkeit, Entfernungen und Geschwindigkeiten abzuschätzen, erheblich eingeschränkt.
Das heißt, schon bei leichten Formen der Krankheit ist die Fahreignung zumindest fraglich.
Hat Ihr Vater bereits eine mittelschwere Demenz, ist er eindeutig nicht mehr geeignet, ein Fahrzeug zu führen.
Die unten aufgeführten Fragen helfen Ihnen, die Fahrtauglichkeit Ihres Vaters schon einmal grob einzuschätzen.
Die Beurteilung der Fahrtüchtigkeit gehört zur Fürsorgepflicht des Hausarztes. Auch wenn weder Sie noch Ihr Angehöriger den Arzt nicht
konkret darauf ansprechen: Er muss bei eingeschränkter Aufmerksamkeit,
Konzentrations- und Urteilsvermögen die mangelnde Fahrtauglichkeit
thematisieren. Der Arzt kann z. B. den „Mini Mental Status
Test“ (MMST) und den Uhren-Test (UT) durchführen.
Wenn der Arzt die Fahreignung anzweifelt und Ihr Vater seinen Führerschein nicht abgeben will, muss der Arzt abwägen: Ist das Bedürfnis Ihres Vaters höher zu bewerten als die Sicherheit der Allgemeinheit? Kann der Hausarzt die Situation mit Ihrem Vater nicht klären, sollte er das örtliche Straßenverkehrsamt einschalten.
Dieses ist für Atteste zur Fahrtauglichkeit zuständig. Eventuell holt das Straßenverkehrsamt ein amtsärztliches Gutachten zur Fahrtauglichkeit ein.
Fragen zur Fahrtauglichkeit:
Hat sich Ihr Vater in der letzten Zeit häufiger verfahren als üblich?
Passieren ihm in letzter Zeit häufiger Unfälle oder „Beinahe-Unfälle“, z. B. Touchieren des Garagentores oder anderer Autos?
Hat Ihr Vater in letzter Zeit vermehrt technische Schwierigkeiten mit seinem Auto, z. B. beim Starten, Gurtanlegen, Tanken oder dem Fahren durch die Waschanlage?
Nimmt er öfter den Autoschlüssel zur Hand und weiß dann plötzlich nicht mehr, wo er hinfahren wollte?
Fällt es Ihrem Vater schwer, beim Fahren die Spur zu halten, z. B. auf der Autobahn?
Wenn Ihr Vater beim Fahren – beispielweise durch ein Gespräch – abgelenkt ist, zieht er das Auto dann zu einer Seite?
Orientiert sich Ihr Vater stark an den Fahrbahnmarkierungen, d. h., fährt er auf einer Seite der Fahrbahn sehr nah neben den markierten Linien?
Wirkt Ihr Vater bei Nachtfahrten unsicherer als früher, und fährt er mit verminderter Geschwindigkeit?
Wenn Sie eine der Fragen mit „Ja“ beantworten müssen, sollten Sie die Fahrtüchtigkeit Ihres Vaters wirklich prüfen lassen.
Und noch 5 Tricks, mit denen Sie Ihren Vater vielleicht vom Autofahren abhalten können:
1. Trick: Lenken Sie Ihren Vater von seinem Vorhaben ab
Gehen Sie auf den Wunsch des Autofahrens nur nebenbei ein. Bieten
Sie ihm eine Alternative an, z. B. zu Fuß zu gehen, da sowieso kein Parkplatz zu finden ist. Bieten Sie eine völlig andere Beschäftigung
an, bitten Sie Ihren Vater z. B., Ihnen vorher noch bei einer bestimmten Arbeit, z. B. im Garten oder Keller, zu helfen.
2. Trick: Verstecken Sie den Schlüssel
Wenn Ihr Vater nicht ins Auto oder in die Garage gelangt, kann er auch nicht fahren. Verstecken Sie also den Auto- oder Garagenschlüssel an einem ungewöhnlichen Ort, z. B. in einer Blumenvase.
3. Trick: Sagen Sie, das Auto sei für längere Zeit verliehen
Sagen Sie Ihrem Vater, dass das Auto z. B. für die nächsten 3 Tage verliehen wurde, z. B. weil deren eigenes Auto kaputt ist.
4. Trick: Tauschen Sie den Auto- oder Garagenschlüssel gegen eine
nicht funktionierende Kopie aus
Hängen Sie eine nicht funktionierende Schlüsselkopie des Autoschlüssels
an das Schlüsselbrett. Sie können die Kopie bei einem Schlüsseldienst
herstellen lassen.
5. Trick: Parken Sie den Wagen außerhalb des Sichtbereiches Ihres
Vaters
Parken Sie das Auto außer Sichtweite Ihres Vaters, z. B. einige
Straßen entfernt. So kommt er nicht auf die Idee, das Auto zu nutzen.
Viel Erfolg,
Heike Bohnes
|
|
Norbert
Dabei seit: 04.11.2009
Beiträge: 10
|
Ich hab da Glück, mein Vater hat vor 10 Jahren freiwillig seinen Führerschein abgegeben, nicht weil er demenz hatte, nein, weil ich ja da bin und er sich auch nichtmehr sicher fühlte. Wenn ich ihn heute mitnehme (er ist 83 und im Anfangsstadium dement) sitzt er neben mir und bekommt nix mit.
|