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In Apotheken sind etliche Arzneimittel gegen nachlassende Gedächtnisleistung erhältlich. Die Anzahl der sinnvollen Medikamente ist allerdings begrenzt. Manche Mittel sind auch in ihrer Wirkung umstritten. Warum das so ist, lässt sich leicht erklären: zum einen ist die Wirkung mancher Medikamente nicht immer nachgewiesen, zum anderen können Nebenwirkungen auftreten, die die Lebensqualität Ihres Angehörigen beeinträchtigen können.
Mehr Informationen zum Thema "Medikamente bei Demenz" finden Sie in "Leben lernen mit Demenz" .
Bei der Alzheimererkrankung, der häufigsten Demenzform, gehen fortlaufend Nervenzellen im Gehirn verloren. Die Ursache dafür ist noch nicht bekannt. Mit den Medikamenten versucht man deshalb, das Voranschreiten der Demenz zu verlangsamen. Ihr Angehöriger kann dadurch zumindest für einen begrenzten Zeitraum, seine Lebensqualität erhalten oder sogar erhöhen. Die Medikamente, die hier vorgestellt werden, haben je nach Erkranktem unterschiedlichen Erfolg.
Medikamente im frühen und mittleren Stadium der Demenz
Für die Vernetzung von neuem und altem Wissen und die Verarbeitung von Sinneseindrücken spielt ein Botenstoff im Gehirn, das Acetylcholin, eine wichtige Rolle. Das Nachlassen von Denkvermögen und Merkfähigkeit bei Demenzkranken hängt auch mit einer Verminderung dieses Botenstoffes zusammen. Medikamente, die im frühen und mittleren Stadium einer Demenz eingesetzt werden, hemmen das Enzym Cholinesterase. Denn dieses Enzym baut den Botenstoff Acetylcholin ab. Dadurch steigt die Menge des durch eine Demenz verminderte Acetylcholin im Gehirn wieder. Der Mangel an Acetylcholin kann damit zumindest teilweise und vorübergehend ausgeglichen werden. Wegen dieser Wirkung werden solche Medikamente auch Cholinesterasehemmer genannt. In Studien wurde zudem ein positiver Einfluss der Cholinesterasehemmer auf die Alltagsfähigkeiten der Demenzerkrankten herausgefunden.
Mit Cholinesterasehemmern wird versucht, das Fortschreiten der Demenz aufzuhalten. Die Kranken reagieren sehr unterschiedlich auf diese Medikamente. Es kann also sein, dass Ihr Angehöriger gut, weniger gut oder gar nicht auf diese Substanzen reagiert. In weit fortgeschrittenen Demenzstadien haben diese Medikamente keinen nachweisbaren Nutzen mehr. Dann können sie durch ihre Nebenwirkungen sogar mehr schaden, als nutzen.
Zu den Cholinesterasehemmern, die die Hirnleistungsfähigkeit bei Demenzkranken belegbar verbessern, gehören folgende 3 Wirkstoffe:
- Donepezil wird vom Arzt in der Regel einmal täglich als Tablette zu 10 mg verordnet.
- Galantamin wird vom Arzt üblicherweise ein- bis 2-mal täglich als Tablette zu 16 – 24 mg verordnet.
- Rivastigmin verordnet der Arzt zumeist 2-mal täglich als Tablette zu 6 - 12 mg.
Die häufigsten Nebenwirkungen dieser drei Wirkstoffe sind Übelkeit, Durchfall und Erbrechen. Deshalb beginnt der Arzt die Behandlung in der Regel mit kleinen Mengen und steigert sie langsam, um die Nebenwirkungen möglichst gering zu halten. Da die Medikamente im fortgeschrittenen Stadium der Demenz nicht mehr wirken, sollten sie abgesetzt werden, wenn Ihr Angehöriger dieses Stadium erreicht hat.
Hinweis: Wenn Nebenwirkungen Ihren Angehörigen bzw. seine Lebensqualität stark beeinträchtigen, müssen Sie Nutzen und Schaden gut abwägen. Eventuell ist es dann besser, auf eine weitere Gabe des Medikaments zu verzichten. Das sollten Sie immer mit dem Arzt Ihres Angehörigen besprechen und dann gemeinsam entscheiden.
Medikamente für das mittlere bis fortgeschrittene Stadium
Bei der fortgeschrittenen Demenz spielt der Botenstoff Glutamat eine wichtige Rolle. Der Einsatz des Wirkstoffes Memantine kann in diesem Stadium sinnvoll sein. Das kann zu einer leichten Verbesserung der alltäglichen Fähigkeiten führen. Häufige Nebenwirkungen von Memantine sind Schwindel, innere und körperliche Unruhe und Übererregbarkeit.
Der Arzt beginnt die Behandlung mit kleinen Mengen, die er langsam steigert, um die Nebenwirkungen so gering wie möglich zu halten. Die Dauerdosierung von Memantine liegt in der Regel bei 2-mal täglich einer Tablette von 10 – 20 mg.
Medikamente bei vaskulärer Demenz
Die vaskuläre Demenz kann durch viele kleine, vielleicht unbemerkte Schlaganfälle ausgelöst werden. Der Arzt setzt hier Medikamente ein, die einem erneuten Schlaganfall vorbeugen sollen. Das erreicht er mit Wirkstoffen, die eine Gerinnung des Blutes bzw. die Verklumpung von Blutplättchen hemmen. Damit soll die Bildung von Blutgerinnseln und Schlaganfällen verhindert werden.
Hinweis: Bei der vaskulären Demenz ist die Vermeidung von gefäßschädigenden Risikofaktoren wie z. B. Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes und Bewegungsmangel oft viel wichtiger, als die medikamentöse Behandlung.
Es gibt 3 verbreitete „blutverdünnende“ (gerinnungshemmende) Medikamente, die bei der vaskulären Demenz eingesetzt werden:
- Acetylsalicylsäure (ASS)
ist der wohl bekannteste Wirkstoff, z. B. als Aspirin®. Acetylsalicylsäure ist der am besten erforschte gerinnungshemmende Wirkstoff. Obwohl nicht eindeutig belegt ist, dass ASS eine Demenz verbessern kann, ist nachgewiesen, dass es das Auftreten neuer Schlaganfälle verhindert oder vermindert. Die Gabe von ASS bei vaskulärer Demenz kann zumindest das Voranschreiten der Gehirnschädigung durch weitere kleine Schlaganfälle vermindern.
Als Nebenwirkung ist hier zu beachten, dass es zu Beschwerden des Magen-Darm-Traktes bis hin zu Magenblutungen und anderen Blutgerinnungsstörungen kommen kann. Der Arzt verordnet ASS zumeist einmal täglich in einer Tablettendosierung von 75 – 375. - Clopidogrel
dieser Wirkstoff ist z. B. eine gute Alternative, wenn Ihr Angehöriger die Einnahme von ASS nicht verträgt. Clopidogrel kann vom Arzt auch mit ASS kombiniert werden. Die häufigsten Nebenwirkungen können Magen-Darm-Störungen und gelegentlich Kopfschmerzen sein. In der Regel wird einmal täglich eine Tablette zu 75 mg verordnet. - Ticlopidin
kann vom Arzt – wie Clopidogrel – eingesetzt werden, z. B. wenn Ihr Angehöriger ASS nicht verträgt. Auch die Wirkung ähnelt der von ASS. Nebenwirkungen betreffen auch hier Magen-Darm-Störungen, gelegentlich können allergische Hautreaktionen auftreten.
Wichtig: Bei diesem Wirkstoff können schwerwiegende Blutbildveränderungen auftreten. Deshalb muss das Blut Ihres Angehörigen in den ersten 3 Monaten der Einnahme alle 14 Tage untersucht werden. Wegen dieser Nebenwirkung raten viele Experten eher von der Gabe ab. Verordnet der Arzt Ticlopidin, muss Ihr Angehöriger in der Regel 2-mal täglich eine Tablette von 250 mg einnehmen.
Hinweis: Es gibt Vermutungen, dass die Medikamente, die bei anderen Demenzformen helfen, auch für Menschen mit vaskulärer Demenz oder Mischformen sinnvoll sein könnten. Dies wird zurzeit aber noch getestet.
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